Blog-Archive

Alles Gephi, oder was?

cropped-banner_1314

familie

Ja, was ist das denn? Schick sieht es ja schon aus, aber hat das einen tieferen Sinn, vom künstlerischen mal abgesehen…?

Hat es. Für den letzten Themenblock des SOOC1314 habe ich mich mal mit der OpenSource Software Gephi beschäftigt. Quelloffen ist ja immer gut, wenn wir uns an dieser Stelle an den Vortrag von Marius Melzer vom CCC erinnern, über den ich hier geschrieben habe. Nun also Gephi. Was ist denn das schon wieder?

Netzwerkanalyse mit Gephi

Gephi ist ein Programm zur Visualisierung von Netzwerken jeder Art. Zuerst sah es ziemlich verwirrend aus, aber mit dem Tutorial-Video kann man sich schnell einarbeiten. Dort wird beschrieben, wie man seine Facebook-Daten mit Gephi veranschaulicht. Das habe ich zwar auch gemacht, aber da ich Facebook nur sehr eingeschränlt nutze, ist das bei mir nicht sehr aussagekräftig.

Stattdessen habe ich versucht, selbst ein Netzwerk mit Gephi zu erstellen. Bei der Beschreibung im oben erwähnten Video liegt ja eine Datei zugrunde, mit deren Hilfe Gephi selbst das Netzwerk anzeigt, man kann dann nur verschiedene Layouts laufen lassen und nach unterschiedlichen Parametern filtern. Wenn man selbst das Netzwerk erstellt, fängt man sozusagen bei Null an.

Netzwerke selbst erstellen

Der Einfachheit halber habe ich mich entschieden, meine Familie als Grundlage für das Netzwerk zu nehmen. Die ist groß und relativ unübersichtlich, und ich war gespannt, was Gephi daraus machen würde. Die Knoten des Netzwerkes zu erstellen ist einfach, man geht einfach im Menü Data Laboratory auf „add node“ und gibt den Namen des Knotens, in dem Fall der Person, ein. Unter Overview werden die einzelnen Knoten angezeigt. Dort kann man sie auch mit Hilfe eines Mauswerkzeugs verbinden. Die Verbindung ist prinzipiell auch im Data Laboratory unter „add edge“ möglich, dort muss man aber die zu verbindenden Knoten in einem Dropdown-Menüü auswähle, das wird recht schnell unübersichtlich.

Klick. Klick. Klick. Klick. Klick. …

Die ganzen Knoten zu verbinden ist recht viel Klickerei und manchmal auch verwirrend, aber es hilft, wenn man zwischendurch mit den verschiedenen Möglichkeiten im Layout-Menü etwas rumspielt. Dadurch kommen miteinander verbundene Knoten auch näher an einen Fleck. Je mehr Verbindungen ein Knoten hat, desto mehr rückt er ins Zentrum des Netzwerks. Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass alle bestehenden Verbindungen eines Knotens hervorgehoben werden, wenn man ihn mit dem Mauszeiger berührt. Das führt zu einem wesentlich besseren Überblick.

Wenn man dann glaubt, alle Verbindungen zu haben, kann man verschiedenes damit anstellen. Man kann zum Beispiel zusammengehörende in gleichen Farben darstellen lassen, und man kann die Knotengröße umsetzen. Rein- und rauszommen sowieso, und auch sonst ist die Bedienung nach etwas Einarbeitung relativ unkompliziert.

Wie sieht denn das ganze nun aus? Momentan so hier:

familie3

Je nach verwendetem Algorithmus sieht auch die Darstellung anders aus. Das Bild am Anfang dieses Beitrags ist aus exakt den gleichen Daten entstanden, allerdings noch nicht nach Größe gewichtet und mit einem anderen Algorithmus dargestellt. Welchen man nimmt, ist davon abhängig, was genau man darstellen möchte. Auf dem obigen Bild kann man die einzelnen Teile meiner Familie schon ganz gut farbig unterscheiden.

Nur ein Spielzeug?

Eine schöne Spielerei ist Gephi also auf jeden Fall. Und der tiefere Sinn? Mit einem solchen Programm kann man eigentlich jedes Netzwerk analysieren und daraus Schlussfolgerungen ableiten. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass hinsichtlich der Learning Analytics Daten aus sozialen Netzwerken ausgewertet werden können, um zu sehen, wer mit wem verbunden ist und so Ansatzpunkte für neue Möglichkeiten des Lernens und Lehrens zu finden. Auch die Datenmenge selbst könnte aufschlussreich sein: man könnte etwa auf die Idee kommen, dass jemand wie ich, der kaum bis überhaupt nicht in sozialen Netzwerken unterwegs ist, anders lernt als jemand, der diese intensiv nutzt. Allerdings glaube ich kaum, dass das eine fundierte Schlussfolgerung ist.

Und im Einsatz?

Gephi kann ich mir vor allem in anderen Kontexten des Lernens und Lehrens vorstellen. Es bietet die Möglichkeit, komplexe Netzwerke anschaulich zu machen, unabhängig davon, um was für eine Art Netzwerk es sich handelt. Die Variante der Visualisierung meiner chaotischen Familienverhältnisse ist nur eine Idee. Für meinen persönlichen Lernzusammenhang in den Geisteswissenschaften kann mich mir beispielsweise vorstellen, komplexe Figurenkonstellationen mit Gephi zu erstellen, oder einfach komplizierte Kausalzusammenhänge anschaulicher zu machen.

Insgesamt fällt es mir schwer, mir einen konkreten Einsatz von Programmen wie Gephi vorzustellen. Aber wie bereits erwähnt kann ich mir generell nur schwer vorstellen, wo und wie Learning Analytics wirklich eingesetzt werden. Das bedarf noch mehr Anlesen, und vielleicht hilft da ja auch der Expertenvortrag am Dienstag weiter.

Werbeanzeigen

SOOC1314 meets CCC – mein persönlicher HEUREKA-Moment

cropped-banner_1314

SOOC1314 meets CCC

Am Dienstag gab es beim SOOC1314 einen Zusatzvortrag von Marius Melzer vom Chaos Computer Club. Den gesamten Vortrag kann man sich hier anssehen, und ganz ehrlich? Es lohnt sich!

Thema war der Schutz vor Überwachung in Zeiten von prism und der NSA-Affäre. Der Schutz seiner persönlichen Daten im Netz und die Sicherheit im Internet generell sollte ja jedem am Herzen liegen, aber die meisten machen sich einfach viel zu wenig Gedanken darum, wie offen eigentlich alle ihre persönlichsten Informationen im Netz “rumliegen”. Da nehme ich mich auch nicht unbedingt aus. Klar, man weiß, es gibt die NSA, alles läuft in den USA zusammen, wer will, kann an alle Daten ran, und so weiter und so weiter. Aber bei mir ist es ein bisschen wie mit dem Rauchen: als ich noch geraucht hab, wusste ich auch um die Risiken, ich habe sie einfach nur ignoriert. Seit ich aufgehört habe, frage ich mich immer wieder, wie ich überhaupt jemals rauchen konnte …

Konsequenter Schutz für alles und jeden

Wie kann man sich also schützen? Der Vortrag von Marius Melzer war ehrlich gesagt eine Offenbarung, wenn man so will. Leicht verständlich auch für Nahezu-Komplett-Laien wie mich hat er erklärt, wie Datenübertragung im Internet überhaupt funktionieren kann und welche Stellen man absichern sollte: alle natürlich. Sender, Empfänger, alle beteiligten Server und alle Übertragungswege.

Einiges sollte man ja inzwischen verinnerlicht haben: Virenscanner, Firewall sowie aktuelle und vertrauenswürdige Software sind wichtig zum Schutz des eigenen PCs, das ist mittlerweile ja schon fast common knowledge. Aber setzt man das deswegen auch um? Diese Frage kann nur jeder für sich beantworten, aber wenn ich an meinen Umgang mit dem Antivirenprogramm in der Vergangenheit denke, möchte ich mich ab liebsten selbst in die Ecke schicken, zum Schämen…

Hinsichtlich der Software gibt Marius Melzer übrigens einen meiner Meinung nach so einfachen wie spannenden Tipp: Einer Software, die nicht quelloffen ist, kann man nicht vertrauen. Da könnte ja schon von Haus aus eine Hintertür eingebaut sein, die jedem den Weg zu meinen Daten zeigt… Und bei offener Software kann jeder sehen, was Sache ist. In dem Fall befassen sich auch sehr, sehr viele Leute mit den vorgenommenen Änderungen, sodass falsche Änderungen und Sicherheitslücken ziemlich schnell auffallen. Software bedeutet hier übrigens auch Betriebssystem. Ein interessanter Gedanke, mit dem man sich mal näher auseinandersetzen sollte.

Tipps und Tricks vom CCC

Wenn ich nun meinen eigenen PC gesichert habe, geht es erst richtig ans Eingemachte. Schließlich will ich ja auch die Kommunikation im weitesten Sinne schützen. Marius Melzer gibt dazu in seinem Vortrag sehr viele praktische Tipps, alles ist auf Anwendbarkeit angelegt. Ein für mich interessanter Tip ist beispielweise der TOR-Browser, den man sich hier runterladen kann.

Dieses nette kleine Ding mit der Zwiebel sorgt dafür, dass die Übertragung von Informationen über drei zufällig ausgewählte Server geleitet wird. Dadurch ist die eigene IP-Adresse nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbar. Beim Vortrag wurde auch eine schöne Folie gezeigt, die wohl im Rahmen des NSA-Skandals aufgetaucht ist. Sie heißt „Tor stinks“ und verdeutlicht, warum die Datensammler TOR nicht mögen: man kann die Identität nicht mehr gezielt nachvollziehen,. Wenn man Glück hat, bekommt man zwar ein paar Zufallstreffer, aber das wars dann auch. Beim Surfen mit TOR  muss man nur einige Regeln beachten, die aber auch angezeigt werden. So sollte man etwa keine Plugins benutzen, weil diese die eigene IP-Adresse verraten könnten, da sie nicht über TOR laufen, wenn ich das richtig verstanden hab.

foto torbrowser

Let there be light!

Was mich auch ziemlich beeindruckt hat, war Lightbeam. Das ist ein Firefox-Addon, dass die eigene „Verstrickung“ im Netz – bewusst und unbewusst!- grafisch darstellt. Irgendwie ist es auch beängstigend zu sehen, was da alles im Hintergrund mitläuft. Ich nutze das Addon erst seit drei Tagen, und es sieht jetzt schon so aus:

foto lightbeam

Da sieht man direkt, wie vernetzt alles ist. Und dass auch Seiten auf meine Daten haben, die ich NIE besucht habe… Gruselig.

aeoihtfnakjgvaeiu@mailinator.com

Weitere im Vortrag angesprochene Themen waren etwa die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Mails, P2P-Angebote und und und. Viele neue Begriffe, die aber Marius Melzer in seinem Vortrag viel besser erklärt, als ich es hier könnte. Was mir noch besonders in Erinnerung geblieben ist: der Mailinator. Mit diesem kann man für jede nur erdenkliche e-Mail-Adresse sofort das Postfach öffnen, ohne sich irgendwo registrieren zu müssen. Wozu man das braucht? Wenn man sich irgendwo anmelden will, etwa in einem Forum, wo man außer der Registrierungsmail keine Nachrichten erhalten möchte, aber eine e-Mail-Adresse angeben möchte, hilft der Mailinator. Ohne Zugriff auf personenbezogene Daten. Da bleibt das „echte“ eigene Postfach schön spamfrei 🙂 Wie das technisch funktioniert? Keine Ahnung 😀 Aber es gibt tatsächlich ein Postfach für obige Mailadresse. Wirklich. Ich habs probiert. Das Leben steckt voller Überraschungen… 😀

Hilflos ausgeliefert?

Es gibt also eine ganze Menge, was man für seine eigene Sicherheit tun kann. Man ist keinesfalls einer totalen Überwachung ausgeliefert, sondern kann mit bewusstem und reflektierten Umgang einiges erreichen. Es macht nur erstmal Arbeit, sich damit auseinander zu setzen.

Und wie siehts jetzt praktisch aus?

Der Vortrag von Marius Melzer war aus meiner Sicht ein voller Erfolg und ein echtes Highlight. Ich habe mich keine Minute gelangweilt, und alles war durchaus nachvollziehbar, sinnvoll und praxisorientiert. So viel Positives erlebt man im Unialltag nur selten auf einmal, aber der SOOC1314 verwöhnt in dieser Hinsicht wirklich 😉

Übrigens hat mich der Vortrag darin bestärkt, ein lang gehegtes Vorhaben in die Tat umzusetzen: die Umstellung meiner alten, langsamen Laptop-Krücke auf Linux. Dazu wird es aber noch einen eigenen Post geben, das würde hier den Rahmen sprengen 😀