Archiv der Kategorie: Themenbock II

Jeder bloggt…?

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5. Dezember 2038

Grade aufgestanden, schalte ich meinen PC an. Was für eine antiquierte Bezeichnung, noch aus dem letzten Jahrtausend. Das reinste Fossil. Ich öffne den Startbildschirm, mal sehen, was es so neues gibt. Als ich noch jung war, hätten wir uns nie träumen lassen, wie dominant das Internet mal werden würde. Heute besteht der Alltag aus Hablosts, halbautomatisch generierten Blogbeiträgen, die jeder Mensch der westlichen Hemisphäre absondert, und jeder ist verpflichtet, täglich eine gewisse Anzahl der Hablosts anderer Leute zu lesen.

Auf meinem Startbildschirm erscheint mein Tagespensum. Jedem sind bestimmte Personen zugeordnet, die man in der Regel nie persönlich trifft, aber im Laufe der Zeit so gut kennenlernt, als gehörten sie zur Familie. So wird gewährleistet, dass keine Informationen verloren gehen und alle Hablosts wirklich gelesen werden, statt in den unendlichen Weiten des Netzes zu verschwinden.

Vielleicht noch ein paar Worte zu den Hablosts generell: seit einigen Jahren sind sie der letzte Schrei, die Regierungen schwören darauf, und alle machen bei diesem Trend mit, mehr oder weniger freiwillig. Jeder in unserem Kulturkreis hat mittlerweile einen Optimierer im Daumengelenk, einen kleinen Chip, auf dem die wichtigsten Daten gespeichert sind, und der automatisch Nachrichten ins Hablome, die Heimumgebung der betreffenden Person, lädt. Dazu gehören beispielsweise Aufzeichnungen über Gewicht, Alter, Flüssigkeitsaufnahme, Nahrung (wann und was), Aufenthaltsort und Stimmung. Der Optimierer wird niemals abgeschaltet und die so gesendeten Daten werden von großen Unternehmen hauptsächlich zu Werbezwecken ausgewertet. Trotzdem werden sie für die Leser angezeigt.

Darüber hinaus muss man selbst täglich mindestens einen Hablost absetzen, den man relativ frei formulieren kann. Dazu spricht man einfach in die Hand, und der Optimierer übernimmt den Rest. Er gleicht auch mit früheren Posts ab und gibt eine Warnmeldung auf die holografische Brille des Träger ab, sollte dieser zu sehr von seiner früheren Meinung abweichen.

Meine Hablosts heute sind – wie immer: Joachim, ein cholerischer Müllmann; Linnea Victoria, die gerade in die Vorschule gekommen ist; Hans-Dieter-Detlef, ein pensionierter Oberstudienrat aus Bayern, Mathilda, die Hausfrau und Mutter ist; und Paul, der früher als Beamter gearbeitet hat, jetzt als einer von vielen für die Überwachung der Optimierer zuständig ist und von sich selbst konsequent in der dritten Person spricht. Vielleicht hält er sich für Caesar…

JOACHIM

Hab schon um vier mit diesem * Tag angefangen. * Müll. Und die * * produzieren täglich mehr von dem *.

 

Seit heute müssen wir * * * Sachen anziehen. Reicht ja nicht, dass wir stinken wie die *. Und überhaupt, wenn ich in das * * komme, dass sich mein Zuhause nennt, wartet die * schon mit irgendeinem * auf mich, und als Dank, dass ich das * runterwürge, ohne ihr vor die Füße zu *, darf ich abends nicht mal *. * * Welt! * * Tag! Also wie immer. […]

[Ich mag Joachims Hablosts, auch wenn sie manchmal schwer zu verstehen sind. Der Optimierer macht nämlich aus allen Schimpfwörtern, Beleidigungen und Fehlgriffen im Ton automatisch Sternchen. Dabei berücksichtigt er sogar den Kausalzusammenhang.]

HANS-DIETER-DETLEF

Am heutigen Morgen begann ich meinen Tag mit einem Spaziergang durch den verschneiten Wald, wie immer begleitet von Rudi.

Wir müssen noch Tannengrün sammeln, damit Agathe noch das tausendste Weihnachtsgesteck fertig machen kann. Sie versorgt das halbe Dorf damit. Heute morgen war die Kirche ganz schön voll. Man merkt eben, dass Weihnachten vor der Tür steht, alle besinnen sich auf einmal auf unseren Herrn. Nach dem Gottesdienst hab ich noch mit den Kindern weiter das Krippenspiel geprobt. Sie verstehen einfach nicht, warum wir an dieser Tradition festhalten. Für sie dreht sich alles nur noch um Technik, und um den Fortschritt. Wenn ich daran denke, dass ich diese Kinder jetzt unterrichten müsste! Furchtbare Vorstellung… Die meisten können noch nicht einmal einfachste Ableitungen bilden, und wenn sie

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sehen, sind sie total überfordert. Die Jugend ist einfach total verkommen. Also zu meiner Zeit hätte es so einen technischen Schickschnack wie diese Hablosts nicht gegeben, aber was will man machen. […]

MATHILDA

Ach, endlich fängt die beseelte Weihnachtszeit wieder richtig an. Die Kinder basteln in der Schule schon fleißig an Geschenken, und im Elternrat haben wir grade die Weihnachtsfeier fertig organisiert. Sogar mit Weihnachtsmann, wie früher. Mein Mann wird ja wohl dieses Jahr wieder eine gute Prämie bekommen, der Urlaub über den Jahreswechsel zum Skifahren ist schon gebucht.

 

Dieses Jahr fahren wir nach Portugal. Wenn ich dran denke, was man uns früher alles von globaler Erwärmung weismachen wollte. Der Schnee in Portugal ist jedenfalls unübertrefflich, und die Aussicht beim Wedeln auf den Atlantik grandios. Wir haben extra noch für Liese eine neue Ausrüstung gekauft, mit der alten konnte sie sich ja wirklich nicht mehr sehen lassen. […]

PAUL

Heute hat er schon wieder die ganze Technik neu konfiguriert. Alle Jahre wieder. Da hatte er in der Jugend mal einen Film gesehen: „The same procedure as every year…“ So kommt Paul sich heute auch vor. Und der neue Praktikant! Dass man das seinen Mitarbeitern überhaupt zumutet, noch dazu in der Weihnachtszeit. Paul hat natürlich das große Los gezogen: er ist für den Frischling zuständig.

 

Dabei hat er doch so viel andere wichtige Arbeit! Ohne ihn würden schließlich 0,00002 % aller aktivierten Optimierer unter Umständen nicht mehr richtig funktionieren – eine Katastrophe! Nicht auszudenken, was die Leute anstellen würden, könnten sie nicht ihren obligatorischen Hablost posten. Paul möchte darauf jedenfalls nicht verzichten. Man kann soviele Menschen damit erreichen, und man ist so wichtig. […]

LINNEA VICTORIA

Vor zwei Wochen ist ja endlich mein Optimierer freigeschaltet worden. Bevor wir hablosten dürfen, wollten die wohl erst gucken, wie wir uns in der Vorschule schlagen., Mir macht es schon Spaß. Das meiste weiß ich aber schon. Heute haben wir gelernt, welches Obst welche Farbe hat und wie es schmeckt. Das war ganz schön schwer. Ich hab noch nie eine echte Banane gesehen! Die sind schön süß. Aber der komische grüne Apfel war eklig, so sauer. Dabei sagt Mama immer, früher hat sie die immer gegessen und Äpfel sind total lecker.

 

Ich ess lieber die Vitamine, die sind wenigstens süß. Und ich muss nicht mal kauen. Maja hat mich aber wieder geärgert. Die ist so *. Sie sagt, in ihrem Hablost schreibt sie immer über mich, aber ich kann es ja nicht lesen, weil ich ihr nicht zugeteilt bin. Das ist gemein. Wenn die so weitermacht, sag ichs Augustus Maximus, der arbeitet bei HABLOG, und der kann in alle Hablosts. Da wird sie schon sehen, was passiert, wenn auf einmal die Hablizei kommt, weil sie beim hablosten geschwindelt hat. […]

So verbringe ich meinen Tag mit mir total fremdem Menschen. Ich sehe oder höre nichts von ihnen, nie. Ich lese nur ihre Äußerungen. Jeder von uns macht genau das: Hablosts lesen. Mit anderen Menschen kommen wir kaum noch in Kontakt, höchstens zufällig. Weniger lesen müssen nur ein paar Leute, die in der Forschung arbeiten, und einige , die für die Versorgung der Menschen zuständig sind. Aber Nahrung besteht mittlerweile aus gepressten Kügelchen, die satt machen und ausgewogen sind. So genannte „Zivilisationskrankheiten“ wie Diabetes mellitus sind heutzutage gänzlich unbekannt überall dort, wo wir schon erfolgreich missioniert haben. Und wenn wir erst alle Menschen überzeugt haben, muss niemand mehr hungern und…

RRRRRRIIIIIIIIIIINNNNNNNNGGGGGGG! Reißt mich der Wecker aus dem Schlaf. Vorsichtig schaue ich auf mein Handydisplay. Da steht es ja: 5:30, 6. Dezember 2013. Ich muss noch Nikolaus spielen! Hablosts? Was für ein Quatsch! Was ich da bloß wieder geträumt hab….

 

Ganz ehrlich? Ich kann mir nicht vorstellen, wie es aussehen soll, wenn jeder, wirklich jeder bloggt. Das gibt doch ein einziges Chaos. Ich merke ja, wie viel Zeit ich regelmäßig vor der Kiste hier hocke, um meine Posts zu verfassen. Zugegeben, die sind nicht grade kurz. Aber trotzdem. Klar, ich kann mir gut vorstellen, dass Bloggen immer wichtiger wird, gerade weil Vernetzung nicht mehr nur interdisziplinär Sinn macht. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Bedeutung im Berufsleben zunimmt. Jean Pol schrieb in seinem Beitrag zur Blogparade im letzten SOOC, er blogge, weil er so ein viel breiteres Publikum erreicht, um seine Ideen zu verbreiten. Das klingt für mich logisch. Aber ich will um Gotteswillen nicht überall im Internet über Blogs stolpern müssen, in denen alle möglichen Leute ihr Privatleben blank ziehen.

Und so als kurzes Fazit? Professionelle Netzwerke von Gleichgesinnten, zum Gedankenaustausch, zur Anregung, allgemein Vernetzung? Aber ja! Nur bitte, bitte keine stumpfe Befriedigung des eigenen Geltungsbedürfnisses auf virtuellem Wege. Und ersr recht kein Zwang, das alles auch noch zu lesen 😉

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Herr Fuchs meets Tux

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Um mal ein Kinderidol zu bemühen: Ich halte es in diesem Fall mit Pumuckel. “Das reimt sich, und was sich reimt ist immer gut.” …

Wer oder was ist denn jetzt schon wieder Tux? Er kennt die Antwort:tux

Schon seit diesem Sommer habe ich überlegt, ob ich meinen Laptop auf Linux umstellen sollte. Nach einigem googlen und einlesen habe ich dann frustriert das Handtuch geworfen: zu viele Fachtermini, zu technisch, und auch zu viel Angst, bei der Umstellung etwas falsch zu machen und meinen ohnehin langsamen und schon leicht angegrauten Laptop vollkommen unbrauchbar zu machen.

Der Stein, der alles ins Rollen bringt
Am Dienstag kam dann der entscheidende Moment in Form des Vortrags von Marius Melzer vom Chaos Computer Club, auf den ich hier schon näher eingegangen bin. Im Vortrag kam auch das Thema Linux wieder auf. Kontrovers diskutiert wurde unter anderem auch der Einwurf eines Teilnehmers, dass offene Programme als unsicherer empfunden werden, so wie es mir selbst ja auch ging. Diese Bedenken hat Marius Melzer allerdings kompetent und nachhaltig zerstreut. Noch während der Diskussion am Dienstag Abend stand für mich fest: weg mit dem alten Windows XP, hinein in die Gemeinschaft der Linux-Nutzer.

Das war ja mal ein schneller Entschluss. Gleich am Mittwoch habe ich mich daran gemacht, den umzusetzen. Als erstes habe ich mich über die verschiedenen Varianten informiert. Das war an sich ja schon eine Herausforderung. Ubuntu, Suse, Knoppix und viele andere lustige Namen prasselten auf mich ein. Aber was war nun das richtige für mich? Ich bin schließlich kein Informatiker und auch kein Freizeit-Computerfreak, der nachts um zwei nach fünf Litern Kaffee noch schnell ein Programm in die Tasten hackt. Stereotype sind schon was feines 😉

Ich soll mich entscheiden? Muss das sein…?

Wie also entscheiden? Ich wollte etwas, dass ich relativ intuitiv nutzen kann, und dass meinen Hauptbedürfnissen entgegenkommt: Textverarbeitung und Internet. Dafür nutze ich meinen Laptop am meisten. Beim Informieren hat mir diese Seite gut geholfen.

Irgendwann stand dann die Entscheidung: xubuntu sollte es werden.

Lizenz: CC-BY-SA 2.0 Urheber: Canonical Titel: Xubuntu Logo

Lizenz: CC-BY-SA 2.0
Urheber: Canonical
Titel: Xubuntu Logo

Das ist ein Ableger vom Einsteigersystem Ubuntu, braucht aber wohl etwas weniger Hauptspeicher und ist damit perfekt für meinen altersschwachen Laptop. Was mich als Skeptiker total begeistert hat, war die Möglichkeit, das Betriebssystem vorher zu testen. Für die Installation muss man eine Datei runterladen und auf CD, beziehungsweise in meinem Fall DVD brennen. Wenn man den Rechner dann von der CD aus startet, kann man sich aussuchen, ob man das System gleich installieren oder doch lieber erstmal testen möchte.

Versuch und -oh Wunder- kein Irrtum!

Natürlich habe ich es erst getestet. Ich konnte alles spontan bedienen, es waren keine erkennbaren Probleme in Sicht. Also habe ich meine persönlichen Daten aus Windows auf der externen Festplatte gespeichert, ein paar Mal tief durchgeatmet und auf „Xubuntu installieren“ geklickt. Dann gabs Abendbrot.

Noch bevor ich fertig gegessen hatte, war mein Laptop auf Xubuntu umgestellt. Wow! Ich hätte erwartet, dass die Installation von so einem Betriebssystem wesentlich komplizierter ist und vor allem länger dauert. Abends habe ich mich dann voller Vorfreude an mein neues Spielzeug gemacht 😉

Den Spieltrieb ausleben

Ich konnte sofort alles benutzen. Sogar unser WLAN, dass manchmal echt der Pferdefuß bei allem ist, wurde problemlos erkannt, und nach Eingabe des Schlüssels konnte ich sofort surfen. Bei der Installation schon dabei war außerdem ein Programm zur Textverarbeitung, ein Musikplayer und einiges mehr. Es konnte also sofort losgehen. Ich habe zuerst meine Daten wieder aufgespielt und dann mal versucht, sie zu öffnen – kein Problem. Nur für die PowerPoints war in meinem Fall nichts dabei, aber ich wollte sowieso ein anderes Office-Programm nutzen, bei dem das dabei war. Alles klappte tadellos, ich ging zufrieden ins Bett.

Willkommen in einer anderen Welt

Gestern ging es dann etwas in die Tiefe: die Installation unseres Netzwerkdruckers. Die hatte ich von Windows als gruselig schwer in Erinnerung. Fehlanzeige. Ich musste nur auf „Drucker hinzufügen“ gehen, schon wurde der Drucker angezeigt, verbunden und ich konnte eine Testseite drucken. Scheinbar haben der Drucker und mein Laptop nun endlich ihren Frieden miteinander gefunden 😉

Bisher hat mich nur eine Sache vor ein Problem gestellt: eduroam. Arrrrrrgh! Die Einrichtung habe ich schon bei Windows gehasst. Ich habe mich also schön brav auf der TU-Seite informiert, wie ich eduroam unter Linux nutzen kann, und bin aus allen Wolken gefallen: Freakalarm! 😉 Nach kurzem Schaudern habe ich die Herausforderung angenommen, und das ging dann doch sehr technisch zu.

So schnell wird man ein Freak 😉

Erst Scripte schreiben, dann im Terminal komische Befehle eingeben, warten was passiert, und zwischendurch gefühlt durch alle Linuxforen des Planeten googlen. Alles zwecklos. Ich habe es nicht hinbekommen. Irgendwann habe ich die entsprechende Frage frustriert in einem der Foren gepostet. Nach Mitternacht. So schnell kann die Freakwerdung von sich gehen.

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vom Kranführer zum Informatikfreak 😉

Als ich dann heute in der Uni meinen Laptop gestartet habe, war ich überrascht. Er hat eduroam einfach erkannt, mich nach den Zugangsdaten und dem Passwort gefragt, und drin war ich. Scheinbar habe ich also was richtig gemacht, oder zumindest nichts falsch 😀

Und wie weiter?

Mein persönliches Xubuntu-Fazit: Juchee! Das meiste läuft interaktiv, wenn was nicht passt bekomme ich Hilfe die mir weiterhilft, im Gegensatz zu der bei Windows, und als kleines Sahnehäubchen geht mein alter Laptop jetzt wieder sowas von flott! Wenn ich ihn unter Windows hochgefahren habe, hat es vom Start bis zu dem Moment, wo ich ihn wirklich nutzen konnte, ohne dass es hing, so lange gedauert, dass ich mir in der Zeit einen Tee kochen konnte. Jetzt kann ich mir nicht mal ein Glas Wasser holen 😉

Ich denke, ich habe noch einiges zu entdecken, bin aber angenehm überrascht von Linux und der Hilfsbereitschaft der Community.Das Freak-Image ist für xubuntu auf jeden Fall übertrieben! Pumuckel hat mal wieder recht gehabt…

SOOC1314 meets CCC – mein persönlicher HEUREKA-Moment

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SOOC1314 meets CCC

Am Dienstag gab es beim SOOC1314 einen Zusatzvortrag von Marius Melzer vom Chaos Computer Club. Den gesamten Vortrag kann man sich hier anssehen, und ganz ehrlich? Es lohnt sich!

Thema war der Schutz vor Überwachung in Zeiten von prism und der NSA-Affäre. Der Schutz seiner persönlichen Daten im Netz und die Sicherheit im Internet generell sollte ja jedem am Herzen liegen, aber die meisten machen sich einfach viel zu wenig Gedanken darum, wie offen eigentlich alle ihre persönlichsten Informationen im Netz “rumliegen”. Da nehme ich mich auch nicht unbedingt aus. Klar, man weiß, es gibt die NSA, alles läuft in den USA zusammen, wer will, kann an alle Daten ran, und so weiter und so weiter. Aber bei mir ist es ein bisschen wie mit dem Rauchen: als ich noch geraucht hab, wusste ich auch um die Risiken, ich habe sie einfach nur ignoriert. Seit ich aufgehört habe, frage ich mich immer wieder, wie ich überhaupt jemals rauchen konnte …

Konsequenter Schutz für alles und jeden

Wie kann man sich also schützen? Der Vortrag von Marius Melzer war ehrlich gesagt eine Offenbarung, wenn man so will. Leicht verständlich auch für Nahezu-Komplett-Laien wie mich hat er erklärt, wie Datenübertragung im Internet überhaupt funktionieren kann und welche Stellen man absichern sollte: alle natürlich. Sender, Empfänger, alle beteiligten Server und alle Übertragungswege.

Einiges sollte man ja inzwischen verinnerlicht haben: Virenscanner, Firewall sowie aktuelle und vertrauenswürdige Software sind wichtig zum Schutz des eigenen PCs, das ist mittlerweile ja schon fast common knowledge. Aber setzt man das deswegen auch um? Diese Frage kann nur jeder für sich beantworten, aber wenn ich an meinen Umgang mit dem Antivirenprogramm in der Vergangenheit denke, möchte ich mich ab liebsten selbst in die Ecke schicken, zum Schämen…

Hinsichtlich der Software gibt Marius Melzer übrigens einen meiner Meinung nach so einfachen wie spannenden Tipp: Einer Software, die nicht quelloffen ist, kann man nicht vertrauen. Da könnte ja schon von Haus aus eine Hintertür eingebaut sein, die jedem den Weg zu meinen Daten zeigt… Und bei offener Software kann jeder sehen, was Sache ist. In dem Fall befassen sich auch sehr, sehr viele Leute mit den vorgenommenen Änderungen, sodass falsche Änderungen und Sicherheitslücken ziemlich schnell auffallen. Software bedeutet hier übrigens auch Betriebssystem. Ein interessanter Gedanke, mit dem man sich mal näher auseinandersetzen sollte.

Tipps und Tricks vom CCC

Wenn ich nun meinen eigenen PC gesichert habe, geht es erst richtig ans Eingemachte. Schließlich will ich ja auch die Kommunikation im weitesten Sinne schützen. Marius Melzer gibt dazu in seinem Vortrag sehr viele praktische Tipps, alles ist auf Anwendbarkeit angelegt. Ein für mich interessanter Tip ist beispielweise der TOR-Browser, den man sich hier runterladen kann.

Dieses nette kleine Ding mit der Zwiebel sorgt dafür, dass die Übertragung von Informationen über drei zufällig ausgewählte Server geleitet wird. Dadurch ist die eigene IP-Adresse nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbar. Beim Vortrag wurde auch eine schöne Folie gezeigt, die wohl im Rahmen des NSA-Skandals aufgetaucht ist. Sie heißt „Tor stinks“ und verdeutlicht, warum die Datensammler TOR nicht mögen: man kann die Identität nicht mehr gezielt nachvollziehen,. Wenn man Glück hat, bekommt man zwar ein paar Zufallstreffer, aber das wars dann auch. Beim Surfen mit TOR  muss man nur einige Regeln beachten, die aber auch angezeigt werden. So sollte man etwa keine Plugins benutzen, weil diese die eigene IP-Adresse verraten könnten, da sie nicht über TOR laufen, wenn ich das richtig verstanden hab.

foto torbrowser

Let there be light!

Was mich auch ziemlich beeindruckt hat, war Lightbeam. Das ist ein Firefox-Addon, dass die eigene „Verstrickung“ im Netz – bewusst und unbewusst!- grafisch darstellt. Irgendwie ist es auch beängstigend zu sehen, was da alles im Hintergrund mitläuft. Ich nutze das Addon erst seit drei Tagen, und es sieht jetzt schon so aus:

foto lightbeam

Da sieht man direkt, wie vernetzt alles ist. Und dass auch Seiten auf meine Daten haben, die ich NIE besucht habe… Gruselig.

aeoihtfnakjgvaeiu@mailinator.com

Weitere im Vortrag angesprochene Themen waren etwa die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Mails, P2P-Angebote und und und. Viele neue Begriffe, die aber Marius Melzer in seinem Vortrag viel besser erklärt, als ich es hier könnte. Was mir noch besonders in Erinnerung geblieben ist: der Mailinator. Mit diesem kann man für jede nur erdenkliche e-Mail-Adresse sofort das Postfach öffnen, ohne sich irgendwo registrieren zu müssen. Wozu man das braucht? Wenn man sich irgendwo anmelden will, etwa in einem Forum, wo man außer der Registrierungsmail keine Nachrichten erhalten möchte, aber eine e-Mail-Adresse angeben möchte, hilft der Mailinator. Ohne Zugriff auf personenbezogene Daten. Da bleibt das „echte“ eigene Postfach schön spamfrei 🙂 Wie das technisch funktioniert? Keine Ahnung 😀 Aber es gibt tatsächlich ein Postfach für obige Mailadresse. Wirklich. Ich habs probiert. Das Leben steckt voller Überraschungen… 😀

Hilflos ausgeliefert?

Es gibt also eine ganze Menge, was man für seine eigene Sicherheit tun kann. Man ist keinesfalls einer totalen Überwachung ausgeliefert, sondern kann mit bewusstem und reflektierten Umgang einiges erreichen. Es macht nur erstmal Arbeit, sich damit auseinander zu setzen.

Und wie siehts jetzt praktisch aus?

Der Vortrag von Marius Melzer war aus meiner Sicht ein voller Erfolg und ein echtes Highlight. Ich habe mich keine Minute gelangweilt, und alles war durchaus nachvollziehbar, sinnvoll und praxisorientiert. So viel Positives erlebt man im Unialltag nur selten auf einmal, aber der SOOC1314 verwöhnt in dieser Hinsicht wirklich 😉

Übrigens hat mich der Vortrag darin bestärkt, ein lang gehegtes Vorhaben in die Tat umzusetzen: die Umstellung meiner alten, langsamen Laptop-Krücke auf Linux. Dazu wird es aber noch einen eigenen Post geben, das würde hier den Rahmen sprengen 😀