Digitale Zweitgeburt?

Nach einiger Zeit – die mir erschreckend lang vorkam – der Internet-Abstinenz (nicht freiwillig, nebenbei bemerkt…) bin ich also pünktlich wieder online, wenn der erste Expertenvortrag des SOOC1314 über die Bühne geht. Mein Internet ist zwar nach wie vor ein Sorgenkind, aber das Wesentliche habe ich doch mitbekommen, sogar ein bisschen mitdiskutieren war drin.

Die heutige Expertin: Anja C. Wagner von ununi.tv über Lernen 2.0, hier gehts auch nochmal zum Mitschitt der Live-Session.

Was bei mir vor allem hängen geblieben ist: die Notwendigkeit der Vernetzung, heute mehr denn je. Jeder von uns weiß etwas, jeder hat Expertenwissen auf irgendeinem Gebiet, egal wie klein es auch sein mag. Da gehe ich auch vollkommen mit der Expertin mit. Und natürlich ist die Sichtbarkeit der jeweiligen Knotenpunkte im Netzwerk wichtig, die jeweiligen Mitglieder müssen also auf sich aufmerksam machen, auf die ein oder andere Weise. Nur bin ich persönlich wohl eher einer der auch erwähnten Menschen, die sich vor allzu viel Sichtbarkeit scheuen. Der Gedanke, dass alles im Internet bleibt, was ich zur Verfügung stelle, und theoretisch auch in 50 Jahren noch abgerufen werden kann, stimmt mich einigermaßen mulmig. Ich bin zwar durch den SOOC1314 mittlerweile recht überzeugt vom Nutzen der sozialen Medien für die Hochschule und das Berufsleben, aber für mein Privatleben spielen soziale Medien nach wie vor eine eher marginale Rolle.

Wichtig bei Ideen wie der von ununi.tv ist auch der Konnektivismus. Was ist das denn nun wieder…? Wenn ich tief im Gedächtnis krame, stoße ich da auf das Thema Lehr-/Lernmethoden, dass in einem Modul meines Studienganges gleich im ersten Semester aufkommt. Damals hat mich das ziemlich frustriert, schließlich studiere ich nicht mal Lehramt. Aber man will ja schließlich immer dazu lernen. Also, Konntektivismus. Im wesentlichen ist diese Methode für mich dadurch gekennzeichnet, dass der Lernende als vernetztes Individum im Mittelpunkt steht. Wichtig ist dabei, dass man sich nicht nur mit anderen Lernenden vernetzen kann, sondern im Netzwerk bilden beispielsweise Bücher, Internetforen, Radiosendungen und und und ihre Knoten. „Wissen ist wissen wo’s steht.“ Das könnte man vermutlich als Maxime des Konnektivismus annehmen, oder zumindest „Wissen ist wissen, wer weiß, wo’s steht.“

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Aber zurück zur Sichtbarkeit im Knotennetzwerk. Damit Konnektivismus in der Praxis funktionieren kann, muss man erstmal vernetzt sein. Bei einem Experiment auf Twitter sollten wir genau das testen: ob und wie Konnektivismus praxistauglich ist. Also schnell Wikipedia geöffnet, einen zufälligen Artikel öffnen lassen und den Begriff an die #followerpower weitergereicht. In meinem Fall war das „Aborigine-Missionsstationen“. Gut, darunter kann ich mir zumindest vage etwas vorstellen. Mein Problem ist und war eher folgendes: wenn ich kaum follower habe, was bringt mir dann die followerpower? Klar, wer den tweet liest, kann ihn für seine follower retweeten, wie es beispielsweise @rarospirit dankenswerterweise gemacht hat. Das erhöht natürlich die Chance, jemanden zu erreichen, der sich mit dem Thema auskennt. Aber hundertprozentig überzeugt bin ich zumindest von diesem Teilaspekt nicht.

Auch die Öffentlichkeit bereitet mir nach wie vor Kopfzerbrechen. Es ist mir schon klar, dass jeder wissen möchte,  mit wem er es zu tun hat, auch im digitalen Bereich. Im Bereich des SOOC1314 will ich aber eher erstmal die Möglichkeiten testen können, mit der Freiheit, nicht unter meinem Klarnamen agieren zu müssen. Wobei mir auch klar ist, dass man den mit etwas Aufwand ziemlich schnell rausbekommt… Aber grade mit Fotos bin ich doch vorsichtig. Nicht nur wegen dem Urheberrecht, um das Problem zu vermeiden, benutze ich fast nur eigene Bilder. Auch die Creative Commons Lizenzen erschließen sich mir nicht wirklich. Aber zum Thema Rechtliches im Internet soll ja auch noch Input beim SOOC1314 kommen. Mein Problem mit Fotos allgemein ist eher die Privatsphäre. Was noch in Ordnung ist und was nicht, muss jeder für sich entscheiden. Ich könnte jedenfalls nicht ruhigen Gewissens die Bilder meines Sohnes für alle sichtbar bei Facebook hochladen oder gleich ganz frei ins Internet stellen, oder jedes noch so langweilige „Event“ in meinem Leben mit einem Post bei Twitter honorieren.

Aber ich schweife ab. Fakt ist, dass diese digitale Zweitgeburt mir zuwider ist, und ich nur Dinge veröffentlicht sehen will, hinter denen ich stehe und für die ich mich aller Voraussicht nach nicht irgendwann schäme. Solange man soziale Medien reflektiert und verantwortungsvoll nutzt, sollte das meiner Meinung nach auch kein Problem darstellen.

Also, als Fazit: konnektivistisch sein, die neuen Medien bewusst für seine Zwecke einsetzen und sich dabei selbst treu bleiben. Das sollte ja zu schaffen sein 😉 Und wenn man nicht grade einen Begriff wie „Aborigine-Missionsstationen“ hat, bekommt man mit der #followerpower vielleicht sogar Unterstützung…

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Veröffentlicht am 19. November 2013 in SOOC1314, Themenblock I und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Ich stimmt Dir in jedem Punkt zu: Der SOOC soll das Erproben dieser Medien ermöglichen und die Pseudonymität ist daher ein durchaus legitimer Weg. Ob man aus dieser heraus möchte muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich finde Deine Lösung sehr toll und bin absoluter Fuchs-und-Freunde-Fan… falls man das schon gemerkt hat 😉 Einer Vernetzung steht das in der Regel aber nicht entgegen. Interessant finde ich, dass Du den beruflichen Nutzen eher anerkennst und das Private kritisch siehst. Die meisten kennen Social Media doch eher aus der privaten Nutzung und wissen nicht, ob es sich professionell einsetzen lässt.

  2. Toller Blogeintrag. Und ich will auch mehr Bilder mit dem Fuchs! 😉

  3. Schön, dass Du wieder an Bord bist!

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